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DER ÖKONOMISCHE WERT GEMEINNÜTZIGER ARBEIT

DER ÖKONOMISCHE WERT GEMEINNÜTZIGER ARBEIT

Kann man soziales Engagement tatsächlich messen und monetär bewerten? „Ja, das kann man!“, sagt Univ.-Prof. Dr. Michael Meyer, Leiter des Instituts für Nonprofit-Management an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ein großer Teil seiner Lehr- und Forschungstätigkeit dreht sich um das Thema: Welchen Mehrwert erzielen klassische NGOs und soziale Unternehmen für die Gesellschaft? „Unser Forschungsgegenstand ist der gesamte Non-Profit-Sektor, der aus nicht gewinnorientierten privaten Organisationen besteht“, erklärt Meyer. „Wir beschäftigen uns im Wesentlichen mit dem Management von Non-Profit-Organisationen, ein zweiter Forschungsbereich betrifft zivilgesellschaftliches Verhalten und ein dritter die neuen Formen des sozialen Unternehmertums, also Social Entrepreneurship.“ Was unterscheidet aber NGOs und die neuen Formen des sozialen Unternehmertums von herkömmlichen Betrieben? „Sie sind anders zu managen als zum Beispiel öffentliche Einrichtungen oder gewinnorientierte Unternehmen“, erläutert Meyer. „Meist sind die Zielsysteme deutlich vielfältiger und vielschichtiger, es ist nicht so ganz leicht messbar, wann Ziele erreicht werden, und sehr oft sind sie widersprüchlich.“ Daher ist das Management dieser Organisationen auch anspruchsvoller und stellt somit eine Herausforderung für die Betriebswirtschaftslehre dar.


PROF. DR. MICHAEL MEYER:
„Unsere Daten deuten darauf hin, dass im Dritten Sektor 220–230.000 Menschen beschäftigt sind.“

VIELSCHICHTIG, BUNT, MULTIPROFESSIONELL
Ein weiterer Unterschied ist, dass es in NGOs meist eine Vielfalt an Professionen gibt, ob das nun Sozialarbeiter, Pflegefachkräfte, Mediziner oder Sporttrainer sind: „Man hat es also viel stärker als in gewinnorientierten Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen mit einer Multiprofessionalität zu tun.“ Hier könne man als Manager beziehungsweise Managerin sehr viel beitragen, so Meyer: „Aber man muss aufpassen, dass man mit seiner betriebswirtschaftlichen Rationalität nicht über alles drüberfährt.“

DIVERSE RECHTSFORMEN
Auch die verschiedenen Rechtsformen der Gemeinnützigen – vom Verein über gemeinnützige GesmbHs bis zur Stiftung – machen das Management nicht unbedingt leichter: „Ich habe also nicht ein Unternehmensmodell, sondern ich habe eine Vielzahl unterschiedlicher Governmentstrukturen, es gibt unterschiedliche Organe, die da mitreden, also es ist kurzum alles ein bisschen schwieriger, komplexer, bunter, und das Positive daran: vielschichtiger.“ Ein zweiter, wesentlicher Forschungsgegenstand am Institut für Nonprofit-Management ist zivilgesellschaftliches Verhalten: „Hier kooperieren wir sehr intensiv mit dem Fundraising- Verband und erforschen die Themen Freiwilligenarbeit, Spenden, soziales Engagement in Österreich. Da wir hier die einzige Einrichtung sind, landen da auch die großen internationalen Vergleichsstudien bei uns und wir müssen dann Österreich verorten: Haben wir mehr oder weniger Freiwilligenarbeit und mehr oder weniger Spenden als andere Staaten?“ Eine dritte Säule der aktuellen Forschungstätigkeiten sind all die spannenden, neuen Formen des Social Entrepreneurship, deren dynamische Entwicklung sehr genau verfolgt wird. Hinderliche Faktoren für den Bereich werden ebenso analysiert, wie die theoretischen Grundlagen für politische Entscheidungen vorbereitet.

KEINE OFFIZIELLEN STATISTIKEN
Erschwert wird diese Arbeit durch den Mangel an regelmäßig erhobenen statistischen Daten: „Wir haben hier in Österreich im Unterschied zu einigen anderen Staaten kein Satellitenkonto in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.“ Das bedeutet, dass im Unterschied zu anderen Staaten die Größe des Non-Profit- Sektors nicht regelmäßig mit erhoben wird, wie das etwa für den Bergbau, die Landwirtschaft, das Transportwesen, die Banken und Versicherungen gemacht wird. „Das heißt, wir haben eigentlich keine offiziellen Statistiken über die Größe des Sektors. Wann immer wir Aussagen darüber treffen wollen, müssen wir bei der Statistik Austria Spezialerhebungen in Auftrag geben und diese auch bezahlen – was wir auch machen.“ Letztendlich wisse also niemand genau, wie viele NPOs gibt es in diesem Land gibt und wie viele Menschen dort arbeiten: „All das wird durch einzelne Erhebungen auf Stichprobenbasis, dann teilweise in Kooperation mit der Statistik Austria, teilweise durchaus mit sehr guten, repräsentativen Stichproben, aber nicht in der Grundgesamtheit und auch immer nur zu bestimmten Zeitpunkten erhoben.“

GEWALTIGE WIRTSCHAFTSKRAFT
„Unsere Daten deuten darauf hin, dass in Dritten Sektor an die 220.000 bis 230.000 Menschen arbeiten, das sind in Summe sechs bis sieben Prozent der insgesamt in Österreich Erwerbstätigen, wir erwirtschaften in diesem Bereich einen nennenswerten Anteil des Bruttoinlandsproduktes.“ Der Non-Profit-Sektor schafft also Arbeitsplätze, aber das ist lange noch nicht alles. Denn durch Spenden, Sponsoring und Corporate Volunteering werden Leistungen erbracht, die mittels Social-Return-on-Investment- Analyse in Zahlen gefasst werden: „Dafür muss man auf die Mikroebene der einzelnen Organisation heruntergehen. Im Wesentlichen tun wir dabei nichts anderes, als den sozialen Nutzen, der durch eine Organisation geschaffen wird, in Relation zu setzen zu den Investitionen, die bei einem bestimmten Projekt getätigt wurden.“ Das wurde vom NPO&SE Kompetenzzentrum der WU Wien bereits für ganz unterschiedliche Organisationen wie etwa für eine Schuldnerberatung, ein Café zur Förderung des Dialogs zwischen den Generationen, ein Präventionsprogramm für Schwangere und junge Mütter in prekären Lebenssituationen sowie Entwicklungshilfeprojekte durchgeführt: „Man muss dabei aber immer Annahmen treffen, und da geht man natürlich in einen Rattenschwanz an Folgewirkungen hinein.“ Trotz aller möglichen Unschärfen ist es aber erstaunlich, die unglaublichen Wirkungen etwa eines von Menschen für Menschen in Äthiopien initiierten Frauenprogramms im Washa Catchment in eine Zahl gegossen zu sehen: Jeder investierte Euro erzielte einen gesamtgesellschaftlichen Wert von nicht weniger als 26,60 Euro. Ein unglaublich hoher Social Return on Investment, der durch Maßnahmen wie etwa verbesserte Hygiene, Hauswirtschaft, Kleinkredit-Programme, Gemüsegärten, Kochkurse und die Bekämpfung von Frauen gefährdenden Traditionen bewirkt wurde.

SOCIAL-RETURN-ON-INVESTMENT-ANALYSE
Die Herangehensweise der Social-Return-on-Investment-Analyse ähnelt dabei herkömmlichen Kosten-Nutzen-Analysen, ist jedoch dabei wesentlich breiter und berücksichtigt explizit gesellschaftliche Wirkungen von einer Reihe von Stakeholdern – im Beispiel des Entwicklungsprojekts etwa in erster Linie die geförderten Frauen und ihre Familien, aber in weiterer Folge die gesamte Region. In vielen Fällen ist es der Staat, der von Einsparungen, etwa im Bereich des Sozialsystems, profitiert.

Institut für Nonprofit-Management:
Auf www.wu.ac.at/npo/research/ finden Sie zahlreiche Beispiele für aktuelle und bereits abgeschlossene Social-Return-on-Investment-Analysen, die vom NPO&SE Kompetenzzentrum der WU Wien durchgeführt wurden.

Redaktion: cpg - corporate publishing group, Foto: (c) Ludwig Schedl, Menschen für Menschen
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