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WARUM SPENDEN GLÜCKLICH MACHT

WARUM SPENDEN GLÜCKLICH MACHT

Großzügige leben glücklicher: Das hat eine aktuelle Studie von Neuroökonomen an der Universität Zürich belegt. Beim Geben wird ein Bereich im Gehirn aktiviert, der ein wohliges Gefühl auslöst. Die Forscher nennen es „Warm Glow“.


In Großzügigkeit kann man sich üben. Praktischerweise ist der Mechanismus, der uns diesbezüglich leicht zu Wiederholungstätern macht, in unserem Gehirn eingebaut. Wenn wir anderen etwas Gutes tun, schüttet es Botenstoffe aus, die bewirken, dass wir uns selbst gut fühlen. Das wollen die meisten von uns vermutlich öfter erleben. Natürlich nützt das innere Anreiz- und Belohnungssystem nicht nur uns, sondern der ganzen Gesellschaft. Doch schmälert die eigene Belohnung den Wert der Gabe? Fast schon eine philosophische Frage, über die Philippe Tobler ein bisschen lachen muss. Er ist Professor für Neuroökonomie und Soziale Neurowissenschaften am Institut für Volkswirtschaftslehre der  Universität Zürich. Und einer der Verantwortlichen dafür, dass man diese neuronalen Prozesse beim Schenken nun tatsächlich belegen kann. „Für mich persönlich zählt mehr der Effekt“, meint er. „Der ist bei guten Taten eindeutig zu begrüßen.“ Die Freude nehme ja nicht weg, dass man das Richtige tue und sich darüber auch meist im Klaren sei.

Neuroökonomie ist ein relativ junges wissenschaftliches Gebiet, bei dem Methoden aus den Neuro- und Computerwissenschaften, der Ökonomie sowie der Psychologie zusammenwirken. „Wir untersuchen, was im Gehirn geschieht, wenn wir ökonomische Entscheidungen treffen“, erklärt Tobler. Während Versuchspersonen zwischen verschiedenen Verhaltensweisen wählen müssen, werden ihre Hirnsignale gemessen. Diese sind wichtige Informationsträger. Bei den Entscheidungen geht es nicht nur um Geld, sondern generell um Werte. „Also alle möglichen Dinge, die uns wichtig sind.“

Eine im Juli im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlichte Studie, an der Tobler beteiligt war, hat sich des Themas Großzügigkeit angenommen. „Klassische Ökonomen haben ja eher das Weltbild, dass Menschen nur auf das eigene Wohl schauen“, so Tobler. Das sei aber wiederholt widerlegt worden. Auch an seinem Institut hätten frühere Studien gezeigt, dass der Mensch altruistischer sei als oft angenommen. „Aber jetzt konnten wir diese Verbindung zwischen Großzügigkeit und Glück auch im Gehirn nachweisen.“ Das Erstaunliche: „Man braucht nicht gleich aufopfernd selbstlos zu sein. Ein bisschen mehr Großzügigkeit reicht schon aus für das Glücksgefühl.“ Diese schöne Empfindung bezeichnet er als „Warm Glow“. Sogar der gute Vorsatz könne es wecken. Das klingt plausibel: Wie warm einem bereits im Vorhinein ums Herz wird, wenn man einem geliebten Menschen einen lang gehegten Wunsch erfüllen will, haben wohl die meisten von uns schon erfahren.

„Warm Glow“ ins Unternehmen bringen
Was bedeuten diese Erkenntnisse nun für Spenderinnen und Spender? Oder für Unternehmen, in denen soziales Engagement eine große Rolle spielt? Wird die Unternehmenskultur dadurch eine bessere? „Wir haben das nicht spezifisch untersucht, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass das gemeinsame Spenden ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl schafft“, sagt Tobler. „Außerdem könnte das Bewusstsein, zu etwas Gutem beizutragen, die Identität eines Unternehmens prägen.“ In die Richtung, dass es neben den Umsatzzahlen noch etwas anderes gebe, das hier wichtig sei. Auch das könnte eine positive Identifikationsmöglichkeit für Mitarbeiter sein.

Damit der „Warm Glow“ aber wirklich die Einzelnen erreiche, sei Freiwilligkeit entscheidend. „Menschen übernehmen eher Verantwortung, wenn ihnen eine Sache nicht aufoktroyiert wird“, sagt Tobler. Das könne sich etwa darin äußern, dass die Mitarbeiter mitentscheiden, wofür ein Betrag eingesetzt werde oder wem er zugutekomme. „Aus einer unserer anderen Studien wissen wir, dass dieselben Gehirnregionen aktiviert werden wie beim ,Warm Glow‘, wenn man etwas auswählen kann, das einem gefällt.“

Persönliche Verantwortung motiviert
Auch weil sich der angenehme Effekt schon vor der eigentlichen Tat einstelle, mache das gemeinsame Planen eines Engagements Sinn. „Wenn man weiß, das geht jetzt an Kriegsflüchtlinge oder an Waisenkinder, kann man sich die Auswirkungen der Hilfe schon in Gedanken ausmalen.“ Das schaffe eine persönliche Beziehung zu den Empfängern. Und damit Motivation. NGOs verstärken das vielleicht intuitiv, indem sie ihre Unterstützer häufig durch Publikationen und andere Kommunikationsmaßnahmen über die Projekte informieren. Bilder regen die Vorstellungskraft zusätzlich an. „Ich glaube, es ist richtig, das zu tun“, sagt Tobler. „Es wird dann einfach viel konkreter.“

Und was bringt eine bessere Unternehmenskultur den Firmen? „Nun, die Aktieninhaber interessieren sich wahrscheinlich hauptsächlich für das, was unterm Strich rauskommt“, so der Neuroökonom. „Aber Unternehmen konkurrieren ja auch noch auf andere Weise. Etwa um die besten Mitarbeiter.“ Die blieben einem eher erhalten, wenn sie in ihrem Arbeitsumfeld glücklich seien.

Der Professor ist übrigens nicht nur ein Mann der Theorie. Das exakte Wissen um die Wege des „Warm Glow“ von unserem Hirn zu unserem Herzen hindert ihn nicht daran, es selbst dann und wann ganz unbefangen zu genießen. Mit seiner Familie unterstützt er ein Patenkind in Afrika. „Das macht uns große Freude“, lächelt er.

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