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SO ARBEITEN NON-PROFIT-ORGANISATIONEN

SO ARBEITEN NON-PROFIT-ORGANISATIONEN

Krisenherde, Kriegsgebiete, Katastrophen: Täglich treffen uns Schreckensmeldungen aus aller Welt. Die Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen sind auch dann noch vor Ort, wenn die Kamera längst nicht mehr draufhält. Dahinter steckt eine organisatorische und logistische Meisterleistung.

Vom Heldenmythos hält Margaretha Maleh nicht viel. Doch seien wir ehrlich: Die Frauen und Männer, die unweit von Schützengräben, inmitten grassierender Seuchen oder in überfüllten Flüchtlingscamps alle Hebel in Bewegung setzen, um die Not der Menschen zu lindern, haben schon etwas von modernen Heldinnen und Helden. Dieses Argument quittiert die ehrenamtliche Präsidentin der österreichischen Sektion von Ärzte ohne Grenzen mit einem herzlichen Lachen. „Erstens tun wir alles, damit unsere Einsatzkräfte heil nach Hause kommen“, sagt sie. „Und zweitens kann Hilfe nur effizient und nachhaltig sein, wenn sie professionell ist.“ Das sei konsequente, strukturierte und bis ins Kleinste durchorganisierte Arbeit.

Hilfe braucht Profis
Als Psychotherapeutin sehe sie auch, wie effektiv fachkundige Unterstützung und ein sachorientiertes Vorgehen sein können. Natürlich kennt die gebürtige Osttirolerin, die 2007 mit Auslandseinsätzen für Ärzte ohne Grenzen begann, die schwarzen Momente der humanitären Arbeit. Humor finde sich nichtsdestotrotz in allen Ecken der Welt. „All diese Erfahrungen haben mich gelehrt, dass wir Menschen im Grunde dieselben Bedürfnisse haben, ganz unabhängig vom kulturellen Background.“ Und dass man manchmal selbst in scheinbar ausweglosen Situationen etwas bewegen könne.

Im Wiener Büro von Ärzte ohne Grenzen gewährt Maleh Einblick in die Mechanismen, die hinter dieser Arbeit stecken. Was die Redaktion besonders interessiert: Wie kann eine derart große, weltumspannende Organisation so gleichbleibend gut funktionieren, obwohl sie sich zu über 90 Prozent aus Spenden finanziert? Und das schon seit 46 Jahren, davon 23 in Österreich. „Hierzulande sind es sogar fast 100 Prozent“, lächelt Maleh und spricht ihren großzügigen Landsleuten im selben Atemzug ein dickes Lob aus. Wichtig sei die finanzielle Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen, weil nur dann wirksame Hilfe inmitten verschiedenster Konfliktparteien möglich sei. Und natürlich seien die weltweit 24 Mitgliederverbände ebenso straff organisiert wie ein Konzern. Neben der Bewusstseinsarbeit, Rekrutierung der Mitarbeiter und Planung der Einsätze gehe es ja auch um den wirtschaftlichen Umgang mit den Spendengeldern.

Maximal 20 Prozent der Mittel werden für die Finanzbeschaffung, Administration und Öffentlichkeitsarbeit verwendet. Die Verantwortung für die Gebarung trägt der Vorstand. „Bei der jährlichen Planung ist grundsätzlich ein Drittel für plötzliche Notfälle vorgesehen“, so Maleh. Das Geld fließt in die fünf Einsatzzentralen in Amsterdam, Barcelona, Brüssel, Genf und Paris. Diese koordinieren die Hilfsprogramme, an denen auch Österreich beteiligt ist. „Sogar bei Katastrophen gibt es eine Bedarfserhebung, damit nicht doppelgleisig gefahren wird.“ Als Logistik-Hotspots dienen Zentrallager, in denen Einsatz-Kits mit Medikamenten, Laborausrüstung, Zelten oder Wassertanks für jede erdenkliche Situation bereitstehen. „Bei uns versickert kein Geld, weil wir es nicht verteilen, sondern direkt in Equipment und Mitarbeiter investieren.“ Nicht von ungefähr besitze Ärzte ohne Grenzen das Spendengütesiegel.

Jährlich entsendet die österreichische Sektion über 140 Einsatzkräfte. Eine eigene Evaluierungsabteilung feilt laufend an der Qualität der Maßnahmen.

Den Spendern, die gewissermaßen den Boden für diese Arbeit bereiten, biete man im Gegenzug Transparenz: Es gibt Newsletter, einen Blog, die Zeitschrift „Diagnose“, den Jahresbericht. Unternehmen hält man persönlich über die von ihnen unterstützten Projekte auf dem Laufenden. „Auf Wunsch kommen wir in die Firma und erstatten Bericht“, erzählt Maleh. „Bei Mitarbeiteraktionen verfolgen die Beteiligten die Entwicklungen oft gerne mit.“ Der Zusammenhalt, der beim gemeinsamen Engagement entstehe, nütze nicht nur Ärzte ohne Grenzen, sondern auch den Unternehmen selbst. Und das sei gut so. „Wir finden, alle sollten etwas davon haben.“

Partnerschaften können ganz unterschiedlich aussehen
Ein Anruf in der Fundraising-Abteilung genüge, um sich über die vielfältigen Möglichkeiten zu informieren. „Das können Pro-bono-Leistungen sein wie eine Gratis-Dienstleistung, Sachspenden oder sogenanntes cause-related Marketing, bei dem uns ein gewisser Prozentsatz eines Produkts zugutekommt“, erläutert Maleh. Geldspenden bilden den Grundstein der Flexibilität der Organisation. Jahreszeitlich bedingt, bietet sich bald wieder die Weihnachtsaktion an, für die Ärzte ohne Grenzen ab einer Spende von 500 Euro Kommunikationsmaterialien bereitstellt, etwa für die Weihnachtspost. Im Zuge einer integrierten CSR-Strategie kann auch ein Kooperationsmix sinnvoll sein. Aber ganz unabhängig von der Größenordnung der Gabe: Man wird durch sie ein Rädchen in einem Getriebe, das unablässig im Einsatz ist. Ob für medizinische Grundversorgung, Krisenhilfe, bei Epidemien oder schwer behandelbaren vernachlässigten Krankheiten in extrem armen Weltregionen. „Wir helfen allen Menschen in Not, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, Religion oder politischen Überzeugung.“

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