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"Der soziale Aspekt war mir immer wichtig"

Frau Umdasch, was war Ihre Motivation, das Hilde Umdasch Haus zu gründen?
Hilde Umdasch: Ich hatte schon lange die Idee, ein größeres soziales Projekt zu verwirklichen. Auch mein Engagement für die Malteser ist nicht neu. Ich unterstütze die Organisation schon lange. Daher hat man die Idee an mich herangetragen. Und ich
wusste sofort, da gibt es was zu tun. Ob ein Kind mit lebensverkürzender Diagnose seine Zeit in angenehmem Umfeld verbringen kann, das zugleich optimale Versorgung und Pflege bietet, darf nicht dem Zufall überlassen sein. Etwa, ob die Eltern sich das leisten können oder die Bedingungen zuhause es zulassen. Jedes Kind hat ein Recht, in solch einer Phase seines Lebens, bestens versorgt und umsorgt zu werden. Das war für mich Vision und Motivation zugleich.

Was kann das Hilde Umdasch Haus genau leisten?
Hilde Umdasch: Das Haus kann bis zu zehn Kinder mit einem erhöhten bis komplexen Pflege- und Betreuungsbedarf aufnehmen. Häufig wird das temporär sein – etwa, wenn die Eltern einmal eine Auszeit brauchen oder selbst ins Krankenhaus müssen. Die Einrichtung bietet aber auch die Möglichkeit eines dauerhaften Aufenthalts. Das Team der Malteser Kinderhilfe, das das Haus betreibt, hat sich hohe Flexibilität zum obersten Gebot gemacht, denn in solchen Fällen muss situationsabhängig und individuell gehandelt werden. Jedes dieser Kinder hat seine ganz eigenen Bedürfnisse, auf die es einzugehen gilt.

Wie sieht das Konzept aus?
Hilde Umdasch: Das Hilde Umdasch Haus ist wie ein Wohnhaus konzipiert, nicht wie ein Spital oder ein Pflegeheim. Neben Pflegepersonal, Therapeuten und Pädagogen gibt es eine Hausmutter, die sich um alles kümmert. Es wird gekocht und an einem großen Tisch in der Küche gegessen. Die Zimmer sind wie Kinderzimmer bunt eingerichtet, es gibt Hasen im Garten und ein in den Boden eingelassenes Trampolin. Außerdem Hochbeete, in denen Gemüse angebaut und geerntet wird. Es wurden zwei Wohneinheiten geschaffen, die betroffene Familien nutzen können, um viel Zeit mit den Kindern verbringen zu können. Wichtig war uns, dass ein Ambiente geschaffen wird, das dem Zuhause ähnlich ist, zusätzlich aber alle Möglichkeiten für optimale Pflege und Betreuung bietet.

Tatsächlich scheint es, als wären Sie mehr als nur Sponsor?
Hilde Umdasch: Da haben Sie recht, ich möchte mehr sein als Geldgeber. Weil es mir nicht darum geht, etwas für mein Gewissen zu tun, sondern für meine innere Zufriedenheit. Mein Zugang ist es, mich selbst auch einzubringen, meine Ideen und auch meine Erfahrungen mit Menschen, aber auch als Unternehmerin. Weil es meiner Meinung nach nicht um die Frage der Umverteilung von Geld geht, sondern darum, die Welt für benachteiligte Menschen zu einer besseren zu machen. Deshalb bringe ich mich auch als Person sein. Ich entwickle mit, ich gestalte mit, ich bin Teil des Ganzen – mittendrin. Ich erlebe dadurch auch ganz direkt, wie es den Leuten geht, welche Sorgen und Nöte sie haben und kriege so auch ein Gefühl dafür, wo der Bedarf, etwas anzupacken, am dringendsten ist.

Ist es andererseits nicht bisweilen schwierig, sich damit zu konfrontieren, wie schlecht es anderen Menschen geht?
Hilde Umdasch: Ja, das ist manchmal tatsächlich schwierig. Ich glaube aber, dass man sich unbedingt persönlich involvieren sollte. Es gibt einen anderen Bezug, etwa zu behinderten Menschen. Man erfährt, dass man mit kleinsten Dingen schon einen unglaublichen Effekt erzielen kann. Und es öffnet einem die Augen.

Sie haben Ihre Erfahrung als Unternehmerin angeführt. Wie können Sie unternehmerische Kompetenz in Projekte einbringen?
Hilde Umdasch: Beim Hilde Umdasch Haus war das recht intensiv. Das Haus gehört meiner Stiftung, ich stelle es der Malteser Kinderhilfe zur freien Verfügung. Da war einiges im Vorfeld zu klären. Aber darüber hinaus gibt es vieles, wo ich mich einbringen kann. Wie bringt man die richtigen Menschen – in dem Fall Spezialisten und Gewerke – zusammen? Welche Leute holt man sich ins Boot? Wie findet man diese? Wie motiviert man sie? Da ist einiges an unternehmerischer Expertise gefragt. Gerade die Frage nach dem sogenannten „Human Capital“ bewegt uns Unternehmer je sehr. Wir sind so gut wie die Mitarbeiter, die für uns arbeiten. Sie sind der wichtigste Faktor für den Erfolg. Das ist im Unternehmen nicht viel anders als bei NGOs.

Wo Sie das gerade ansprechen: Gibt es wesentliche Unterschiede  zwischen Unternehmen und NGOs? Wenn ja, welche?
Hilde Umdasch: Ich sehe gar nicht so viele Unterschiede, die Herausforderungen sind sehr ähnlich. Unternehmertum ist per se nachhaltig. Denken Sie nur an die Arbeitsplätze, die geschaffen und langfristig gesichert werden. Oder an die Wertschöpfung in der Region. NGOs müssen sich andererseits immer mehr wie Unternehmen verhalten, die im Wettbewerb stehen. Sie müssen ein sinnstiftendes Angebot bieten, das auf Kundenbedürfnisse ausgerichtet ist. Sie müssen sich auch zunehmend um Vermarktung kümmern. Sie brauchen die besten Köpfe, denn eine NGO muss gemanagt werden. Es sind Projektmanager gefordert, aber auch Finanzmanager, denn es geht um Budgets. Zweck beider ist es, Wert zu generieren und das nachhaltig. Insofern sind sich beide gar nicht unähnlich.


Copyright: Umdasch


Hilde Umdasch:
Ich möchte mehr sein als Geldgeber. Weil es mir nicht darum geht, etwas für mein Gewissen zu tun, sondern für meine innere Zufriedenheit.


Sie haben erwähnt, dass die Mitarbeiter ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs sind. Wie wichtig ist Wertschätzung als zentrales Element?
Hilde Umdasch: Ein ganz wesentliches. Die wichtigsten Aspekte dabei sind Information und Kommunikation. Und diese Herausforderung ist riesengroß. Alle Veränderungen, die ein Unternehmen tätigt, jede Neuerung, die Strategie – um die Mitarbeiter nicht zu verlieren, muss man darüber informieren. Das ist gar nicht so einfach, bei der Dynamik, mit der sich Dinge heute entwickeln und verändern. Information und Kommunikation sind wesentliche Aspekte von Wertschätzung. Zu erklären, warum man was tut ist, ist eine Verpflichtung. Das ist heute noch viel wesentlicher als früher. Wir haben heute dazu aber auch viel mehr Möglichkeiten.

Sehen Sie im Umgang mit Mitarbeitern einen Unterschied zwischen Familienunternehmen und etwa börsennotierten Konzernen?
Hilde Umdasch: So generell kann man das nicht sagen. Grundsätzlich meine ich, dass Unternehmertum und Nachhaltigkeit sich niemals ausschließen. Erfolgsdenken ist Teil davon, weil Unter nehmen auf Erfolg ausgerichtet sind. Zu den Charakteristiken eines Unternehmers zählt der unbedingte Wille zum Erfolg. Da ist nichts dran verwerflich. Im Gegenteil. Was Sie meinen, sind fiktive Geschäfte, wo es um Spekulationen geht. Das hat mit Unternehmertum nichts zu tun. NGOs sind Unternehmen in vielerlei Hinsicht ähnlich. Auch sie bewegen sich in kompetitivem Umfeld, müssen sich vermarkten und ihr Produkt muss halten, was es verspricht. Und sie brauchen die besten Köpfe – wie wir Unternehmen.

Was war Ihre Motivation, eine Stiftung, die Hilde Umdasch Privatstiftung zu gründen?
Hilde Umdasch: Ich habe mich schon immer für soziale Projekte engagiert. Die Stiftung habe ich ins Leben gerufen, um neben anderen Aufgaben auch diesem Engagement einen Rahmen zu geben. Rechtlich, aber auch institutionell. Das ermöglicht mir Bündelung und Fokussierung. Die Motivation, mich sozialen Projekten zu widmen, ist, dass ich mir eines privilegierten Lebens bewusst bin und einen Teil davon mit Randgruppen oder Menschen in Not teilen möchte. Die Stiftung bildet den formalen Rahmen dazu.

Wie sehen Sie die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen?
Hilde Umdasch: Ich sehe sie als Verpflichtung. Nicht nur im Sinne dessen, dass man einen Teil des erwirtschafteten Geldes für soziale Zwecke ausgibt, sondern, dass man drüber nachdenkt, wie man es auch auf nachhaltige Art und Weise verdient. Die Rolle der Mitarbeiter ist ja schon zur Sprache gekommen, aber auch Themen wie Produktentwicklung oder Geschäftsmodelle. In unserem Unternehmen ist das Mietmodell für die Schalung der Doka etwa, gepaart mit einem hochqualitativen Produkt, das bis zu 20 Jahre und mehr im Bestand bleibt, so ein Beispiel. Für mich ist das der Bogen und auch die Verbindung von Unternehmertum und Nachhaltigkeit. Darüber hinaus interessiert mich die Frage, wie und in welcher Tiefe man sich für einen positiven Wandel der Gesellschaft einsetzt. Da haben wir heuer im Unternehmen eine Initiative gestartet, die sich mit Bildungs- und Chancengleichheit befasst. Hier setzen wir innerhalb und außerhalb des Unternehmens Impulse, um die Lebenssituation von Menschen zu verbessern, die vielleicht keine so gute Startposition hatten. Viele Unternehmer und Unternehmen denken darüber auch schon nach und engagieren sich auch. In Summe kann hier viel bewegt und Entwicklungen können zum Positiven beschleunigt werden.

Hat sich das wirtschaftliche Umfeld verändert?
Hilde Umdasch: Ja, es hat deutlich an Dynamik und Komplexität zugelegt. Die Welt ist stark in Bewegung, und diese Veränderungen müssen Organisationen widerspiegeln, indem sie flexibel sind und schnell reagieren können. Da kommt dem Management die wesentliche Aufgabe zu, die Unternehmen und ihre Strukturen anzupassen, um zukunftsfit und wettbewerbsfähig – und somit wieder nachhaltig – zu sein. Eine Organisation braucht dazu ein gewisses „Entrepreneural Thinking“. Was ich damit meine ist, dass Führungskräfte ihre Mitarbeiter so entwickeln, dass sie Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen können.

Eine abschließende Frage: Sollen Ihr Engagement und Ihre Projekte exklusiv bleiben? Oder sind auch Nachahmer erwünscht?
Hilde Umdasch: Unbedingt! Wir wünschen uns, dass speziell das Hilde Umdasch Haus ein Pilotprojekt ist und es bald mehrere davon geben wird. Denn der Bedarf ist sehr groß, nicht nur in Niederösterreich. Das ist im Übrigen auch der Grund, warum ich damit an die Öffentlichkeit gehe. Mir geht es nicht ums Rampenlicht, sondern um einen möglichen Nachahmer-Effekt und auch darum, dass diejenigen Menschen von diesem Angebot erfahren, die es benötigen. Dazu brauchen wir in diesem Fall auch Publicity.

Gibt es für Sie selbst auch noch weitere Projekte?
Hilde Umdasch: Mein Engagement ist ganz bestimmt mit dem Hilde Umdasch Haus nicht beendet. Solange es was Sinnvolles zu tun gibt, werde ich es tun.
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