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VERANTWORTUNG ANNEHMEN UND MITGESTALTEN

VERANTWORTUNG ANNEHMEN UND MITGESTALTEN

Fotocredit: Sebastian Reich

Interview: Mag. Barbara Mader, KURIER

 

Frau Professor Stadler, wir befinden uns hier im Ringturm, ein schon von Weitem gut sichtbares Symbol für das künstlerische Engagement der Vienna Insurance Group. Welche Faktoren sind für die VIG im Bereich des kulturellen Engagements entscheidend?

Kunst und Kultur sind unserem Unternehmen sehr wichtig. Gesellschaftliche Verantwortung liegt in der DNA unseres Unternehmens. Wir versuchen, bei unserem Engagement auch stets auf unsere Vielfalt, unsere Internationalität und unsere Diversität Rücksicht zu nehmen. Und weil Sie jetzt die Ringturm- Verhüllung ansprechen: Was Kunst im öffentlichen Raum betrifft, sind wir durch unseren Hauptaktionär, den Wiener Städtischen Versicherungsverein, sehr engagiert und versuchen, die Motive und die Künstler möglichst breit und vielfältig zu gestalten. Zudem ist es uns wichtig, unsere Internationalität zu berücksichtigen. Wir sind mit 50 Gesellschaften in 25 Ländern in Zentral- und Osteuropa tätig und wechseln daher österreichische mit renommierten Künstlern aus Osteuropa ab.

 

Sie sagen, die VIG hat die gesellschaftliche Verantwortung in der DNA: Was bedeutet das konkret?

Unsere Vorgängergesellschaft blickt auf das Gründungsjahr 1824 zurück. Wir haben also mittlerweile nahezu 200 Jahre an Versicherungserfahrung. An der Gründung dieser Gesellschaft waren damals Persönlichkeiten aus Adel, Industrie und vor allem auch aus dem Klerus beteiligt. Unter den Gründern befand sich der Fürsterzbischof von Wien und der Administrator des Erzbistums Salzburg. Die Verbindung zur katholischen Kirche haben wir bis heute. Auch heute noch hat ein Abt der österreichischen Klöster einen fixen Platz im Aufsichtsrat. Und viele der österreichischen Kirchen und Klöster sind nach wie vor bei der Wiener Städtischen versichert.

 

Das gemeinnützige und soziale Engagement lässt sich also schon ganz eindeutig aus ihrer Geschichte herauslesen.

So ist es. Wir sehen das als unsere soziale Verantwortung und tragen es weiter. Wir haben das auch in den kritischen Jahren fortgesetzt und unser soziales Engagement in den Jahren der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht zurückgefahren.

 

Nach welchen Kriterien wählen Sie NGOs für Spendenprojekte?

Wir screenen die Unternehmen natürlich sehr intensiv und legen unter anderem auch auf die Internationalität wert. Wir versuchen auch, mit Unternehmen zu kooperieren, die in vielen jener Länder tätig sind, in denen wir mit unseren Gesellschaften vertreten sind. Natürlich wollen wir hier eine möglichst breite Vielfalt erreichen. Und wir konzentrieren uns vorwiegend auf jene Menschen, die in unserer Gesellschaft die schwierigste Position haben. Das sind Bedürftige und Kinder.

 

Was halten Sie von einer freiwilligen Selbstverpflichtung eines Unternehmens zum Spenden, z. B. mindestens ein Prozent vom Umsatz oder 1,5 Prozent vom Betriebsergebnis?

Ich denke, man muss differenzieren, um welches Unternehmens es sich handelt. Es gibt ja Unternehmen, denen diese Verpflichtung quasi auferlegt ist. Wir sind börsennotiert und haben verschiedene Stakeholder, die wir bedienen müssen. Wir müssen einerseits versuchen, unsere Kunden zufriedenzustellen, andererseits unsere Aktionäre und natürlich unsere Mitarbeiter. Ich glaube nicht, dass eine Verpflichtung für soziales Engagement notwendig ist. Insbesondere dann nicht, wenn man diesen Gedanken aus Überzeugung trägt, so wie wir das tun.

 

Was verstehen Sie persönlich unter sozialer Verantwortung?

Ich bin wirklich dankbar, dass es mir persönlich und vielen Menschen in unserer Gesellschaft so gut geht. Ich denke, es sollte selbstverständlich sein, dass wir jene, denen es nicht so gut geht, unterstützen.

 

Sie sind als Vorstandsvorsitzende der Vienna Insurance Group derzeit die einzige Frau an der Spitze eines ATX-Unternehmens. Woran liegt es, dass die Männer in Österreichs börsennotierten Unternehmen so gerne unter sich bleiben?

Das ist eine schwierige Frage. Ich persönlich glaube, dass das natürlich aus der Entwicklung kommt. Es ist einfach so, dass die Frauen die Kinder bekommen, das hat sich auch mit den vielen Innovationen der vergangenen Jahre nicht geändert. Das sind Jahre, die einer Frau in ihrer Karriere fehlen. Dazu kommt, dass wir Frauen noch ein wenig an Selbstsicherheit dazu gewinnen müssen. Wir sind immer die, die sich um alles kümmern, die vorwiegend auf die anderen achten und sich selbst eher in den Hintergrund stellen. Um Karriere zu machen, ist es aber notwendig, öfter einmal Hier! Zu schreien und sich selber in den Mittelpunkt zu stellen, um aufzufallen und um im entscheidenden Moment auch gefragt zu werden.

 

Gegen eine Frauenquote haben Sie sich aber ausgesprochen?

Ja, ich halte nichts von einer Quote. Eine Frau möchte in eine Funktion kommen, weil sie kompetent und eine Führungspersönlichkeit ist, und nicht wegen einer Quote.

 

Sie selbst sind dafür bekannt, Frauen in Ihrem Unternehmen zu fördern.

Ja, allerdings. Die VIG ist auch diesbezüglich ein Vorzeigeunternehmen. Wir haben alleine in meinem Vorstand ein Verhältnis von 50:50, Frauen und Männer. Wir haben auch in vielen unserer osteuropäischen Unternehmen Frauen als Vorstandsvorsitzende. Wir forcieren das sehr. Vielfalt ist uns sehr wichtig. Wir haben hier im Haus Mitarbeiter aus 18 verschiedenen Nationen. Wir achten sehr auf Diversität. Und bei gleicher Qualifikation bevorzuge ich natürlich Frauen.

 

Sie persönlich haben schon sehr früh berufliche Weichen gelegt, die man heute als richtigen Karriereschritt bezeichnen würde. Heute gibt es viele Förderprogramme, um Mädchen für technische Berufe zu interessieren. Als Sie Mathematik an der Technischen Universität studiert haben, war das doch noch recht ungewöhnlich. Wie ist das damals in Ihrem Umfeld aufgenommen worden?

Ich war wahrscheinlich nie das typische Mädchen. Ich habe zwar auch mit Puppen gespielt, aber genauso gerne mit Matador, was damals als Buben-Spielzeug galt. Ich habe mich von klein auf für Mathematik interessiert, ich habe als Kind schon gerne mathematische Rätsel gelöst. Das hat auch mein Vater sehr forciert. Ich war im Gymnasium in der Mathematik-Olympiade und mich haben Zahlen und Statistik immer schon fasziniert. Ich wusste sehr früh, dass ich etwas mit Mathematik machen will. Und zwar nicht unterrichten, obwohl mir das viele Leute einreden wollten. Ich habe dann ein dreimonatiges Praktikum in einer Versicherung absolviert, das sehr lehrreich war. Ich habe dort wirklich viel gelernt, weil man mich nicht, wie das oft mit Praktikanten der Fall ist, zum Einkaufen geschickt hat, sondern mir wurde wirklich gezeigt, wie ein Versicherungsunternehmen funktioniert. Das hat mich so fasziniert, dass ich mich entschieden habe, Versicherungsmathematik zu studieren.

 

Wissen Sie noch, was Sie als kleines Mädchen werden wollten?

Nein, ich habe schon öfter darüber nachgedacht, aber ich kann mich nicht erinnern. Ich weiß aber, dass mir rasch klar war, dass ich nicht Weinbäuerin werden wollte. Ich komme ja aus einer Weinstadt und damals hatte fast jeder dort, auch meine Familie, Weingärten. Wenn meine Freundinnen im Sommer im Bad waren, musste ich immer im Weingarten mitarbeiten. Da war mir klar: Diesen Beruf möchte ich nicht mein Leben lang machen.

 

Wie ist Ihr Verhältnis zum Wein heute?

Ich trinke ihn gerne und ich bin dankbar dafür, zu wissen, wie er gemacht wird.

 

Langfristiges Denken und verantwortungsvolles Handeln.

„Das sind die Grundlagen unseres Geschäfts“, so Generaldirektorin Elisabeth Stadler, die gleichzeitig Vizepräsidentin des Roten Kreuzes ist. „Als Versicherung haben wir mit dem Roten Kreuz einen ähnlichen Leitgedanken. Wir beide leisten Unterstützung beim Eintreten unvorhergesehener und existenzgefährdender Risiken. Egal, ob es um medizinische, personelle oder materielle Situationen geht.“ Zu den weiteren gemeinnützigen Aktivitäten des Unternehmens zählt auch das soziale Engagement der Vienna Insurance Group bei Projekten der Caritas – darunter die Hospiz-Kampagne und die Osteuropa-Kampagne, mit der die Caritas traditionell in der kalten Jahreszeit auf die zum Teil dramatische Lage der Menschen in Osteuropa aufmerksam macht. Alljährlich findet das VIG Kids Camp statt, dessen Ziel es ist, gegenseitiges Verständnis, Solidarität und soziales Bewusstsein auch dem Nachwuchs der Konzernmitarbeiter spielerisch zu vermitteln. Seit 2011 wird beim Social Active Day den Konzernmitarbeitern zudem ein Arbeitstag pro Jahr zur Verfügung gestellt, um sich in einer Hilfsorganisation ehrenamtlich zu engagieren. Neu ist heuer die Schiffspatenschaft der VIG an der Mirno More Friedensflotte, dem weltweit größten Friedens-Segelprojekt für sozial und wirtschaftlich benachteiligte Kinder und

Jugendliche. Bei einer einwöchigen Fahrt wird den Kindern durch das gemeinsame Steuern eines Segelschiffs die Gelegenheit gegeben, Vorurteile über Bord zu werfen und Freundschaften über ethnische und soziale Grenzen hinweg zu schließen. Die teilnehmenden Kinder kommen unter anderem aus Krisenzentren, Wohngemeinschaften und sozialpädagogischen Einrichtungen – unter ihnen auch Heimatvertriebene und Kriegswaisen aus den Ländern des Balkans. Zusätzlich unterstützt die VIG heuer den CSR-Tag von RespACT, der Unternehmensplattform für verantwortungsvolles Wirtschaften.

 

Zu Person

Prof. Elisabeth Stadler studierte Versicherungsmathematik an der Technischen Universität Wien und machte in der österreichischen Versicherungswirtschaft als Vorstandsmitglied und als Vorstandsvorsitzende Karriere.

Im Mai 2014 wurde Elisabeth Stadler von Bundesministerin Gabriele Heinisch-Hosek der Berufstitel Professorin für ihre Verdienste in der Versicherungsbranche verliehen. Seit 2016 ist sie Generaldirektorin der Vienna Insurance Group. Elisabeth Stadler ist außerdem

Vizepräsidentin des Österreichischen Roten Kreuzes. Neben der Konzernleitung ist sie in der VIG außerdem für Strategische Fragen, Europäische Angelegenheiten, Konzernkommunikation & Marketing, Group Sponsoring, Personalmanagement, Konzernentwicklung und Strategie, Bankkooperation, Generalsekretariat, Asset Management, Treasury/Kapitalmarkt und Beteiligungsmanagement zuständig.

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