Home        Sitemap        Seiteninhalt        Ansicht anpassen

WENN DIE HERAUSFORDERUNG ZUR NORMALITÄT WIRD

Getrieben von der Leidenschaft, Dinge zu verändern, Missstände zu thematisieren und Projekte zu realisieren, leisten NGO-Teams tagtäglich Übermenschliches. Gutes zu tun,scheint dabei zunächst ganz einfach: Wer auf der Straße lebt, benötigt eine Unterkunft, wer krank ist, die richtige Pflege.

Doch wo mehrere Menschen helfen wollen, braucht es vor allem eines: Organisationen. „Wenn Naturkatastrophen passieren, die für Hilfsorganisationen eine große logistische Herausforderung darstellen, ist CARE durch mehrere weltweite Logistikzentren in der Lage, rasch und überall Nothilfe zu leisten“, erzählt Andrea Barschdorf-Hager von CARE Österreich. Die vor mehr als 70 Jahren gegründete NGO arbeitet mittlerweile in 93 Ländern weltweit. „Wir haben in den Einsatzländern Büros vor Ort“, so Barschdorf-Hager. Hilfsgüter werden, sofern das möglich ist, lokal eingekauft. Es sind auch überwiegend lokale Mitarbeiter, die die Hilfe vor Ort koordinieren.

 

Einsatz unter Lebensgefahr

„Da unsere Hilfe von der Entwicklungszusammenarbeit bis zur weltweiten Katastrophenhilfe reicht, haben die CARE-Mitarbeiter hochspezialisierte Tätigkeiten und Ausbildungen“, sagt Barschdorf-Hager. 2017 hat die Hilfe von CARE rund 63 Millionen Menschen erreicht. Für den österreichischen Standort liegen die geografischen Schwerpunkte in Afrika, Asien, dem Nahen Osten und Ost/Südeuropa. Gerade in den Konfliktgebieten fordert die Arbeit der Helfer viel Engagement, Motivation und eine große Portion Mut. „In diesen Gebieten ist unser Einsatz oft nur unter sehr schwierigen Umständen möglich“, erzählt die Geschäftsführerin. „Internationale Hilfsorganisationen wie CARE bewegen sich hier in einem Spagat, den es ständig abzuwägen gilt: einerseits Hilfe für die betroffene Bevölkerung zu leisten und andererseits die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter zu gewährleisten.“ Vor allem in Ländern wie Syrien, dem Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik sind die humanitären Helfer stärker gefährdet, ihre Arbeit mit dem eigenen Leben zu bezahlen.

 

Hilfe für obdachlose Menschen

Um Menschen, die durchs soziale Raster fallen, kümmert sich das Neunerhaus Wien. 1999 mit dem Ziel gegründet, den Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen, um ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern, betreut die Organisation mittlerweile drei Wohnhäuser sowie 170 Wohnungen, verstreut in ganz Wien. „Bei den Wohnungen ist es uns wichtig, dass das nachbarschaftliche Umfeld nicht weiß, welcher soziale Hintergrund den jeweiligen Bewohner begleitet, damit der Weg zurück nicht durch Stigmatisierung erschwert wird“, erzählt Geschäftsführerin Daniela Unterholzner. Deshalb tragen die Wohnungen auch kein „Neunerhaus“-Zeichen. „Im Schnitt erhalten die Betroffenen ein bis zwei Jahre Unterstützung durch uns, klären mithilfe unserer Sozialarbeiterinnen ihre familiären oder arbeitsbedingten Verhältnisse, die sie zur Wohnungslosigkeit geführt haben. Danach unterstützen wir sie bei der Antragstellung für eine Gemeindewohnung oder der Suche nach einer anderen Wohnung.“

 

Weggeschickt wird hier niemand

Bereits 2006 hat das Neunerhaus erkannt, dass Obdachlosigkeitund Krankheit in einer sehr engen Wechselbeziehung zueinander stehen. Seither arbeiten auch Ärzte für das Neunerhaus, das Gesundheitszentrum in Wien-Margareten wurde 2017 vergrößert. „Tagtäglich stellen sich bei uns viele obdach- und wohnungslose Menschen an, um medizinisch versorgt zu werden – Männer, Frauen, und immer mehr Kinder“, so Unterholzner. Weggeschickt wird hier niemand!

„Vielen von ihnen sieht man ihre prekäre Lage nicht an“, erzählt Unterholzner. „Es fällt oft schwer, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht.“ Deshalb gibt es neben drei Räumen für Allgemeinmediziner, vier Behandlungsstühle für Zahnärzte und einer Tierarztpraxis auch Räume für Sozialarbeit. Neben fachspezifischem Wissen spielen Teamfähigkeit, Geduld und Einfühlungsvermögen dabei eine große Rolle: „Bei uns arbeiten deshalb nur professionelle Helfer und Spezialisten. Insgesamt ist es für uns aber vor allem wichtig, dass unsere Mitarbeiter nicht nur den Hilfesuchenden auf Augenhöhe begegnen, sondern die Patienten auch ganzheitlich betreuen“, so Unterholzner.

Motto des Neunerhauses ist schließlich: „Du bist wichtig.“ Und so wird auch individuell auf den Menschen eingegangen.

 

Für ein menschenwürdiges Dasein

Wert auf die Selbstbestimmung ihrer Bewohner, damit sie ihren Tagesablauf individuell gestalten können, legt auch das Haus der Barmherzigkeit. Die gemeinnützige Organisation bietet schwer pflegebedürftigen Menschen Langzeitbetreuung mit Lebensqualität.

„Unser Ziel ist es, einerseits hochqualitative Pflege und Betreuung zu bieten und andererseits größtmögliche individuelle Lebensqualität und die Selbstständigkeit unserer Bewohner zu fördern“, sagt Maria Hämmerle vom Haus der Barmherzigkeit. „,So viel Normalität und Individualität wie möglich, so viel Pflege wie notwendig‘, lautet daher auch unser Grundsatz.“ Das wird aber zusehends schwieriger: Aufgrund der demografischen Entwicklung wächst die Zahl der pflegebedürftigen Menschen kontinuierlich, während es europaweit zu Engpässen am Arbeitsmarkt kommt.

Dazu kommt, dass die Attraktivität der Pflegeberufe in den letzten Jahren deutlich gesunken ist. Eine der großen Herausforderungen für die Zukunft wird daher – in der gesamten Branche – sein, qualifiziertes Personal zu gewinnen und neue Mitarbeiter langfristig zu binden, ebenso ältere Mitarbeiter länger im Beruf zu halten. Die Pflege älterer, chronisch kranker und schwerstbehinderter Menschen bringt die Pflegepersonen an ihre körperlichen und mentalen Grenzen. „Resilienzfördernde Faktoren im Arbeitsumfeld helfen unseren Mitarbeitern, die Herausforderungen des Pflegealltags zu meistern“, betont Marie Cris Gambal aus der Pflegedirektion. „Um sie in ihrer oftmals belastenden Arbeitssituation bestmöglich zu unterstützen, bietet unser Haus daher diverse gesundheitsfördernde Maßnahmen für die Mitarbeiter aller Gesundheitsberufe an.“

Anmelden       Copyright FVA, 2018    Zum Seitenanfang