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ARBEITSWELT: WAS DIE NEUE GENERATION ERWARTET

ARBEITSWELT: WAS DIE NEUE GENERATION ERWARTET

FLORENS EBLINGER, EBLINGER & PARTNER:
„Die Bedeutung von sozialem Engagement hat sicherlich deutlich zugenommen.“
CHRISTINE CATASTA, PWC-SENIOR PARTNERIN:
„Jedes Unternehmen muss für sich selbst entscheiden, wie es seiner Verantwortung nachkommt.“
Fotos © Eblinger & Partner, oresteschaller.com


Unsere Arbeitswelt wird digitaler, vernetzter, flexibler. Getrieben von diesem technischen Wandel steht auch die Bedeutung von Arbeit vor einem epochalen Umbruch: Die neue Generation von Jobsuchenden rückt die Sinnfrage in den Mittelpunkt ihrer Berufswahl und formt die Arbeitswelt von Grund auf um.

Würden Sie für sinnvolle Aufgaben auf Lohn oder Status verzichten? In verschiedenen Studien aus Europa und USA stimmten mehr als zwei Drittel der Befragten zu. Gute Arbeitsbedingungen und gesellschaftliche Verantwortung werden für den Arbeitsmarkt der Gutqualifizierten immer wichtiger. Das ist ein neues Phänomen, das im „War for Talents“ die Machtverhältnisse verändert. „Die meisten Unternehmen haben schon längst erkannt, dass es kein reiner Arbeitgeber-Markt mehr ist“, sagt Florens Eblinger von der Managementberatungsfirma Eblinger & Partner. „Die jungen Arbeitnehmer*innen sind oft sehr reflektiert und überlegen sehr genau, für welches Unternehmen und in welcher Form sie ein nächstes berufliches Engagement annehmen.“

Sinn als Motivationsquelle
Die junge Generation denkt kollektiver als die Generationen zuvor. Sie erwartet heute von einem Unternehmen sinnstiftende Aufgaben und gemeinwohlorientierte  Unternehmensziele. „Die Bedeutung von sozialem Engagement hat sicherlich deutlich zugenommen. Tendenz steigend“, so Eblinger. „CSR, ecological footprint, Image, Markenbotschaft, Vision, Mission – gebündelt im Employer Branding, spielt dabei eine wichtige Rolle.“ Auch eine von PwC in Auftrag gegebene Studie bestätigt: Die Relevanz der Themen Nachhaltigkeit und Vertrauen steigt und der demografische Wandel durch die „Millennials“ stellt immer mehr Unternehmen vor neue Herausforderungen. PwC-Senior Partnerin und Unternehmensberaterin Christine Catasta: „Eine Umfrage unter Millennials hat beispielsweise ergeben, dass acht von zehn jungen Menschen nach Arbeitgebern mit CSR-Werten suchen, die ihren eigenen entsprechen, und fast 90 Prozent in Betracht ziehen, einen Arbeitgeber zu verlassen, dessen Werte nicht mehr ihre Erwartungen erfüllen.“

Sozioökologischer Mehrwert
Heute muss Arbeit also nicht nur Geld bringen, für die jungen Arbeitnehmer*innen muss sie vor allem auch Sinn stiften. Das gemeinnützige Engagement kommt dabei nicht nur den betroffenen Menschen zugute. Die gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens schafft einen Mehrwert, der sich positiv auf die Identifikation der Mitarbeiter*innen mit dem Unternehmen auswirkt. „Mitarbeiterengagement und -zufriedenheit, Innovationskraft, der Verbrauch natürlicher Ressourcen und die gesellschaftliche Verantwortung beeinflussen Organisationen erheblich und schlagen sich langfristig in finanziellen Kennzahlen – und damit im Unternehmenserfolg – nieder“, konstatiert Catasta. Aber wie gehen Unternehmen mit diesem Trend um? Was tun sie, um das menschliche Bedürfnis nach Sinn zu befriedigen? „Jedes Unternehmen muss für sich selbst entscheiden, wie es seiner Verantwortung nachkommt und welche Aktivitäten gesetzt werden – ob in Form von Pro-bono-Arbeit, Kooperationen mit Organisationen, Programmen oder Spendenaktionen.“ Unternehmen müssen umdenken, aber nicht nur in Bezug auf ihre Recruiting-Strategie. Auch andere Stakeholder wollen wissen, inwieweit Organisationen für ihre Geschäftstätigkeit Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft übernehmen. Soziales Engagement und Unternehmensverantwortung sind aber nur dann relevant, wenn sie glaubwürdig transportiert werden. Sie sollten Teil der Unternehmensstrategie sein und die Maßnahmen zum Unternehmen passen. „Welche Maßnahme auch immer umgesetzt werden soll: Am Beginn steht immer der Mut, den Status quo in Frage zu stellen, und die Bereitschaft, Veränderungen mitzutragen“, so Catasta.

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