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WIE SOZIALES ENGAGEMENT DIE ARBEITSKULTUR VERÄNDERT

WIE SOZIALES ENGAGEMENT DIE ARBEITSKULTUR VERÄNDERT

BETTINA RIHA-FINK, LEITERIN FUNDRAISING BEI DER CARITAS:
„Viele Unternehmen möchten sehen, was ihre Hilfe bewirkt.“
Foto © Caritas


Sich als Teil der Gemeinschaft fühlen, zur regionalen Entwicklung beitragen und dabei gleichzeitig neue Sichtweisen und Kompetenzen erwerben – immer mehr Unternehmen fördern das soziale Engagement ihrer Mitarbeiter*innen. Es gibt gute Gründe dafür.

Corporate Volunteering ist kein neues Phänomen. Doch die Förderung sozial engagierter Mitarbeiter*innen erlebt eine neue Relevanz in der Arbeitswelt. Schließlich hängt die Wettbewerbsfähigkeit eines jeden Unternehmens zunehmend davon ab, wie es den gegenwärtigen ökonomischen, sozialen und ökologischen Herausforderungen begegnet. „Corporate Volunteering wird immer wichtiger als ein Instrument der Mitarbeiter*innenbindung bzw. des ‚employee engagement‘“, sagt Michael Alberg-Seberich. Der Geschäftsführer der Beratungsagentur Wider Sense beschäftigt sich mit allen Fragen, die Philanthropie, CSR und Impact Investing betreffen. „Vor allem die Millennials erwarten heute von einem Unternehmen, dass es sich gesellschaftlich engagiert und den Beschäftigten eine Möglichkeit gibt, sich daran zu beteiligen.“ Jungen Arbeitnehmer*innen geht es vor allem darum, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen und am Ende etwas Großes hervorzubringen. „Ein Arbeitgeber, der sich sozial engagiert, ist attraktiv“, bestätigt Elisabeth Dal-Bianco, Leiterin Corporate Social Responsibility und Interne Kommunikation bei Pfizer Österreich. „Die Mitarbeiter identifizieren sich stärker mit dem Unternehmen, sind motivierter und produktiver.“ Pfizer war 2008 eines der ersten Pharmaunternehmen in Österreich, das Nonprofit-Organisationen mit Corporate Volunteering unterstützt hat. Seither sind monatlich zwei bis vier Mitarbeiter*innen in einer sozialen Einrichtung aktiv und helfen dort, wo dringend Hilfe gebraucht wird. „Corporate Volunteering wirkt dabei dreidimensional: in der gemeinnützigen Organisation, bei den Mitarbeiter*innen selbst und im Unternehmen“, so die CSR-Verantwortliche. „Die Teilnehmer*innen wachsen am freiwilligen Engagement. Das hat wiederum einen positiven Einfluss auf den Auf- bzw. Ausbau von Führungsqualitäten und die individuelle berufliche Laufbahn. Ebenso wirkt das Engagement auf die Rekrutierung neuer, qualifizierter Mitarbeiter*innen.“

Der Weg ins Engagement
Die Strategie des Corporate Volunteering stammt aus den USA, wo sie nicht nur von PR-Manager*innen gerne eingesetzt wird, sondern auch von den Personaler*innen. Denn Freiwilligenarbeit trainiert die sozialen Fähigkeiten der Mitarbeiter*innen und stärkt ihr soziales Engagement auch außerhalb des Unternehmens. Dal-Bianco: „In Österreich sind nahezu alle sozialen Organisationen und Hilfsdienste stark auf freiwillige und unbezahlte Mitarbeit angewiesen, um die soziale Versorgung aufrechterhalten zu können.“ Mit der Corporate-Volunteering-Initiative fördere Pfizer direkt eine solche Mitarbeit und allgemein den Gedanken der Freiwilligenarbeit durch Multiplikatoreffekt und Vorbildwirkung. „Das kommt letztendlich auch der österreichischen Zivilgesellschaft zugute“, so die CSR-Verantwortliche. Schließlich könne durch die Förderung des sozialen Engagements in Unternehmen Aufmerksamkeit für wichtige Themen erzeugt werden. „Natürlich müssen gemeinnützige Organisationen auch einen Mehrwert vom Corporate Volunteering haben“, konstatiert Michael Alberg-Seberich von Wider Sense. „Der anekdotische Raum in einem Kindergarten, der jede Woche von Ehrenamtlichen eines anderen Unternehmens gestrichen wird, ist gesellschaftlich nicht relevant. Gutes Corporate Volunteering ermöglicht einer gemeinnützigen Organisation, seine Wirkung zu hebeln.“ Aber wie muss Corporate Volunteering aussehen, um für das Unternehmen, die Mitarbeiter*innen sowie für die gemeinnützigen Organisationen gewinnbringend zu sein? „Es gilt, die Erwartungen aller Beteiligten vorab zu klären und dann maßgeschneiderte Lösungen für ein Volunteering zu finden“, so Alberg-Seberich. „In unserer Studie haben wir dies mit einer Fußballmetapher umschrieben: Haben Corporate-Volunteering-Praktiker*innen ihr Spielfeld klar definiert, den richtigen Anstoß gegeben, solides Coaching gesichert und die Performance stets im Blick, kann Corporate Volunteering für alle Beteiligten gewinnbringend sein.“ Von Lebensmittel sortieren über Essen an Obdachlose ausgeben bis hin zu der Arbeit mit Kindern im Zuge von Ausflügen oder Laufveranstaltungen – die Auswahl ist sehr groß. „Die Begeisterung, mitzumachen, kann durch eine Vielfalt von Corporate-Volunteering-Möglichkeiten hervorgerufen werden“, sagt Dal-Bianco. „Dadurch ist für jede/n Mitarbeiter*in das richtige dabei. Viele Mitarbeiter*innen schätzen es zudem auch sehr, immer wieder Neues ausprobieren zu können.“

Auf Augenhöhe begegnen
Dass das Interesse an Corporate Volunteering in den letzten Jahren stark zugenommen hat, merkt auch die Caritas der Erzdiözese Wien. „Ein Trend, dem wir gerne begegnen“, sagt Bettina Riha-Fink, Leiterin Fundraising bei der Caritas. Corporate Volunteering etabliere sich zunehmend als Teil einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit. „Viele Unternehmen wünschen sich neben einer klassischen Geldspende weitere Engagements, weil sie sehen möchten, was ihre Hilfe bewirkt.“ Dennoch ist die Nachfrage nach punktuellen Einsätzen von einem halben oder ganzen Tag nach wie vor am höchsten. „Wir nennen diese Tage Social Team Days“, so Riha-Fink. „Hier ist die Vorbereitung eine völlig andere als etwa bei langfristigen Kooperationen, wie einem Buddy-Programm.“ Doch gerade mit den Social Team Days möchte die Caritas Unternehmen und ihre Mitarbeiter*innen motivieren, sich sozial zu engagieren. „Ob obdachlosen Müttern und Kindern zu helfen oder Menschen mit Behinderung sowie pflegebedürftige Personen zu unterstützen – Unternehmen bekommen dadurch einen besseren Einblick in unsere Arbeit und sehen, was wir leisten“, so Riha-Fink. Die freiwilligen Helfer*innen würden zudem die Bedürfnisse und Lebensrealitäten von Menschen in Not besser verstehen. „Für viele ist es oft der erste Berührungspunkt. Wir möchten ihnen dabei helfen, Vorurteile und Barrieren abzubauen.“ Das wichtigste bei der Freiwilligenarbeit sei jedoch eine Begegnung und Zusammenarbeit auf Augenhöhe. „Das Wesentliche ist, die Erwartungshaltungen von Anfang an klar zu kommunizieren“, sagt die Caritas-Mitarbeiterin. Für viele Unternehmen sei Corporate Volunteering noch eine sehr neue Art des Engagements und die Ziele nicht immer eindeutig. „Viele sind zwar sehr motiviert, gleichzeitig müssen aber oft noch interne Regelungen und Strukturen geschaffen werden.“ Ist der Ablauf geklärt, liegen die Vorteile von Corporate Volunteering klar auf der Hand: Gemeinnützige Organisationen profitieren von den helfenden Händen, gleichzeitig demonstrieren Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung und gewinnen an Image. Die Mitarbeiter*innen sind zufriedener und erweitern ihren Horizont, was sich wiederum entscheidend auf den Erfolg des Unternehmens auswirkt. Alles in allem eine Win-win-win-Situation!

Hilfseinsätze im Katastrophenfall: Arbeitnehmer*innen erhalten Rechtsanspruch auf Entgeltfortzahlung
Arbeitnehmer*innen haben ab sofort einen Rechtsanspruch auf Fortzahlung des Entgelts, wenn sie wegen eines Einsatzes als freiwilliges Mitglied einer Katastrophenhilfsorganisation, eines Rettungsdienstes oder einer freiwilligen Feuerwehr bei einem Großschadensereignis im Einsatz sind. Finanziert wird dies aus dem Katastrophenfonds.
parlament.gv.at

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