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SOCIAL BANKING UND DARÜBER HINAUS

SOCIAL BANKING UND DARÜBER HINAUS

Erst vor Kurzem hat Ihr Unternehmen mit einer Million Euro den Aufbau von Notfallkrankenstationen für verstärkte Corona- Testungen sowie die Schaffung eines Online-Kursangebotes für Angehörige, Hilfskräfte und Zivildienstleistende  finanziert. Was bedeutet soziales Engagement für Sie persönlich?
Ich habe das Privileg in unserer Bank, dass soziales Engagement mein beruflicher Alltag ist. Mit dem Hauptauftrag: Unterstützung sozialer Zielsetzungen. Mithilfe von Bankdienstleistungen wird das von Ihnen erwähnte Engagement des Gesamtkonzerns noch verstärkt. In unserer Tätigkeit im „Social Banking“ ist der Glaube an die Menschen als Privatkund*in wie als Unternehmer*in immer im Vordergrund. Schließlich wurde vor mehr als 200 Jahren für genau diesen Zweck die Erste österreichische Spar-Casse gegründet. Als Bankengruppe bieten wir Hilfe, die über unser Kerngeschäft hinausgeht. In Form von finanzieller Unterstützung und Sachspenden an NGOs und Gesundheitseinrichtungen oder etwa durch die Freiwilligenarbeit so vieler Kolleg*innen in der Bank. Aber der Gedanke trägt sich weiter. Soziales Engagement bedeutet auch, sich täglich die Frage zu stellen: Wie können wir unser Angebot an Services und Produkten so gestalten, dass wir Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden, dabei unterstützen, auf sichereren finanziellen Beinen zu stehen? Oder noch besser: verhindern, dass es überhaupt erst so weit kommt.

Welche großen Umbrüche in unserer Gesellschaft erleben wir gerade?
Aktuell gehen wir davon aus, dass sich die Volkswirtschaften in unserer Region im kommenden Jahr stark erholen werden – wir sind nämlich aus einer ziemlich guten Ausgangslage gestartet. Dennoch werden die gesellschaftlichen Folgen selbst bei den optimistischsten Szenarien länger anhalten. Wir sehen bei unseren Kund*innen, dass die Auswirkungen des aktuellen wirtschaftlichen Abschwungs nicht alle im gleichen Maß treffen. Ein kleinerer Anteil hat bereits spürbare Einkommensrückgänge erlitten und steht vor akuten finanziellen Herausforderungen. Viele andere haben im vergangenen Halbjahr keine bedeutenden Einkommenseinschnitte erlebt und mehr denn je zur Seite gelegt, weil sie weniger ausgeben konnten oder wollten. Die Krise kann also dazu führen, dass die Kluft zwischen den „haves and have-nots“ noch stärker wird. Und dazu kommen weitere Umbrüche, die uns als Gesellschaft – in Öster reich, aber auch auf europäischer Ebene – fordern.
 

Menschen, die bereits vor der Corona-Pandemie mit extremen Problemen zu kämpfen hatten, trifft diese außergewöhnliche Situation noch härter. Welche Maßnahmen benötigen diese Menschen jetzt, um ihnen langfristig zu helfen?
Es trifft wahrscheinlich nicht nur jene, die schon vor der Pandemie in Problemen steckten. Es trifft auch die, die gerade „über die Run- den“ gekommen sind und jetzt mit Einkommensverlusten konfrontiert sind. Mit Kurzarbeit oder gar in der Arbeitslosigkeit lassen sichgestundete Mieten nicht nachzahlen. Umso schneller und nachhaltiger sich unsere Volkswirtschaften und Gesellschaften von den Auswirkungen der Corona-Krise erholen, umso besser kann gerade diesen Menschen wieder in stabilere Verhältnisse zurück geholfen werden. Einer am Boden liegenden Volkswirtschaft fehlen die Steuereinahmen sowie die Beschäftigungsperspektiven, um gerade auch diese Menschen nachhaltig zu unterstützen. Banken leisten ihren Teil dazu, die Volkswirtschaften zu stabilisieren und eine Erholung zu ermöglichen, etwa indem wir Liquidität sichern oder auch mit Regierungen zusammenarbeiten, um Unterstützungsmaßnahmen an Privatpersonen und Unternehmen zu verteilen.

Die neuen Zahlen der Statistik Austria vom Mai 2020 zeigen, dass es in Österreich ein großes Potenzial für eine Verschärfung der sozialen Schere gibt. Welche Chancen bzw. Erfordernisse könnten sich aus der außergewöhnlichen Ausnahmesituation ergeben, um soziale Ungleichheiten zu verringern? 
Weil sie uns alle betrifft, sollte diese Krise dazu führen, dass wir ein neues „Wir“-Bewusstsein entwickeln. Nicht nur in der österreichischen Gesellschaft, sondern auch auf europäischer und globaler Ebene. Dieses gestärkte Wir-Gefühl sollte uns auch klarmachen, dass wir jene Institutionen und Einrichtungen, die zentrale gesellschaftliche Funktionen erledigen, nicht nur sichern, sondern auch stärken. Dazu gehören zweifelsohne öffentliche Gesundheitseinrichtungen und medizinische Forschungsstellen, aber auch Schulen und andere Bildungseinrichtungen. Aber ich gebe zu – das ist eine sehr optimistische Sichtweise.

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